Der Umgang mit Kritik
7. Januar 2026

Hand aufs Herz: Wer von uns liebt es nicht? Dieses warme, wohlige Gefühl, wenn jemand dein Buch liest und sagt: "Wow, das war fantastisch!"
Wir alle lechzen nach Anerkennung. Wir schreiben, weil wir gehört werden wollen, und wenn das Echo positiv ist, fühlen wir uns bestätigt. Es ist Balsam für die Seele, besonders nach den einsamen - oder in unserem Fall, zweisamen- Stunden des Schreibens und Zweifelns.
Aber – und das ist die harte Wahrheit, über die wir heute sprechen müssen – reines Schulterklopfen bringt dich als Autor nicht weiter. Es streichelt dein Ego, aber es schärft nicht deine Feder. Um wirklich zu wachsen, müssen wir lernen, mit der Kehrseite der Medaille umzugehen: der Kritik.
Doch Kritik ist nicht gleich Kritik. Es gibt Goldnuggets, die du schürfen musst, und es gibt Müll, den du getrost ignorieren darfst. Lass uns gemeinsam sortieren.
Kategorie 1: Der "Müll" (oder: Warum Hater eigentlich Fans sind)
Stell dir vor, du bekommst eine Rezension oder einen Kommentar: "Das Buch ist einfach nur doof." Oder noch schlimmer, es wird persönlich: "Wer so einen Lebenslauf hat, sollte gar nicht schreiben dürfen."
Im ersten Moment tut das weh. Es ist wie ein Schlag in die Magengrube. Aber lass uns das rational betrachten.
Diese Art von Kritik ist wertlos. Sie ist vage, sie ist destruktiv und sie zielt nicht auf Verbesserung ab. Wenn jemand nur sagt "ist schlecht", ohne zu begründen warum (Plot-Löcher? Flache Charaktere? Logikfehler?), dann hat diese Person kein Interesse an deinem Werk, sondern nur am Abladen von Frust.
Der Mindset-Shift: Hier kommt der Twist, den viele übersehen: Solche Kommentare sind oft verkleidetes Lob.
Wenn jemand dich persönlich angreift, hast du ihn emotional berührt.
Wenn jemand missgünstig auf deinen Werdegang hinweist, hast du wahrscheinlich Neid geweckt.
Ein Autor, der keine Reaktionen hervorruft, ist langweilig. Wenn du jemanden so sehr "aufgeregt" hast, dass er Zeit investiert, um dir einen bösen Kommentar zu schreiben, hast du Impact. Ignoriere den Inhalt, aber lächle über die Energie, die sie dir widmen.
Kategorie 2: Das Gold (Produktive Kritik)
Dies ist die einzige Kritik, die du als Autor wirklich annehmen musst. Sie ist selten, sie ist manchmal unangenehm, aber sie ist der Dünger für dein Wachstum.
Produktive Kritik erkennst du daran, dass sie spezifisch ist:
"Die Motivation des Protagonisten in Kapitel 4 war für mich nicht nachvollziehbar."
"Der Dialog wirkt an dieser Stelle hölzern."
"Das Pacing im Mittelteil zieht sich zu sehr."
Das tut vielleicht kurz weh, aber du kannst damit arbeiten. Du kannst zurückgehen, analysieren und entscheiden: Hat der Kritiker recht? Wenn ja, ist das deine Chance, besser zu werden. Nichts an deinem Text ist in Stein gemeißelt. Besonders als neuer Autor bist du noch in der Findungsphase. Nutze diese Hinweise, um dein Handwerk zu polieren.
Die gefährliche Falle: Stil-Projektion
Es gibt jedoch einen schmalen Grat bei der produktiven Kritik, auf den du höllisch aufpassen musst. Es gibt Kritiker, die eigentlich verhinderte Autoren sind. Sie kritisieren nicht, dass dein Text falsch ist, sondern dass er nicht so ist, wie sie ihn geschrieben hätten.
Das ist der Moment, in dem jemand versucht, seinen Stil auf dich zu projizieren.
Beispiel: Du schreibst bewusst kurze, abgehackte Sätze für Spannung. Der Kritiker bemängelt: "Der Schreibstil ist zu simpel, ich mag lieber verschachtelte Sätze."
Das ist kein Fehler deinerseits, das ist Geschmackssache. Lerne, den Unterschied zu erkennen:
Handwerklicher Fehler: Etwas funktioniert objektiv nicht (Logik, Grammatik, Struktur). -> Annehmen.
Stilfrage: Jemand mag deine "Stimme" nicht. -> Abhaken.
Verbiege dich nicht. Dein Stil ist deine Marke.
Im meinem Fall (Swen), liebe ich es, eine Satz mit vielen Informationen zu schreiben, welche dem Leser die Atemlosigkeit meiner Gedanken vermitteln, was auch - auf die Gefahr hin den Faden zu verlieren - halt mein Stil ist und somit meiner Art zu schreiben einen persönlichen Charakter gibt. :-)
Das Marketing-Paradoxon: Jede Kritik ist Werbung
Zu guter Letzt, vergiss nie die Business-Seite des Schreibens. Wir leben in einer Welt der Algorithmen. Egal ob auf Amazon, Instagram oder TikTok: Der Algorithmus unterscheidet nicht zwischen "Ich liebe dieses Buch" und "Ich hasse dieses Buch".
Der Algorithmus sieht nur eines: Interaktion.
Jede 1-Sterne-Rezension, jeder wütende Kommentar zählt als Engagement. Es hält dein Buch im Gespräch. Es macht andere Leute neugierig ("Ist es wirklich so schlimm? Ich schau mal rein...").
Eine polarisierende Kritik ist tausendmal mehr wert als Stille. Das Schlimmste, was einem Buch passieren kann, ist nicht, dass es gehasst wird – sondern dass es ignoriert wird.
Fazit: Bleib der Kapitän
Hör dir an, was die Leute sagen.
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Ist es Hass oder Neid? Ignoriere es und nimm die kostenlose Promo mit.
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Ist es konstruktiv? Lerne daraus, wachse und werde besser.
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Wollen sie dich verbiegen? Bleib standhaft in deinem Stil.
Dein Buch ist dein Weg. Kritik ist nur das Wetter auf deiner Reise – mal Rückenwind, mal Sturm. Aber du bestimmst den Kurs.
Also lasst euch nicht unterkriegen und ran an die Tasten!
Herzlichst, Swen und Jasmin
S. und J. Kalini