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Das böse Lachen der Emojis: Wenn ein gelbes Gesicht mehr schmerzt als 1000 Worte

7. Januar 2026

Das böse Lachen der Emojis: Wenn ein gelbes Gesicht mehr schmerzt als 1000 Worte

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich mein erstes Interview für die Lokalzeitung gab. Ich war stolz wie Bolle, aber meine Stimme hat gezittert. Man fühlt sich, als würde man sich auf einen Marktplatz stellen und rufen: "Hier ist meine Seele, bitte tretet nicht drauf!"

Über den Umgang mit "echter", geschriebener Kritik – sei sie nun konstruktiv oder destruktiv – habe ich ja bereits ausführlich geschrieben (lest dazu gerne meinen Artikel: Kritik am Buch – Wie man damit umgeht). Ich dachte, ich hätte mir ein dickes Fell zugelegt. Ich dachte, ich wäre bereit.

Aber dann kam etwas, auf das mich keiner vorbereitet hat. Etwas viel Kleineres. Etwas Gemeineres.

Das Facebook-"Haha".

Du postest deinen Artikel oder dein Buchcover. Du bist nervös. Und dann kommt die Benachrichtigung. Jemand hat reagiert. Dein Herz springt. Ist es ein "Like"? Ein "Herz"? Nein. Es ist dieses lachende Gesicht.

Warum das "Haha" so weh tut

Wenn jemand einen bösen Kommentar schreibt, muss er sich hinsetzen, tippen und Argumente finden. Das "Haha"-Emoji aber ist faul und grausam zugleich. Es fühlt sich nicht an wie ein Lachen mit dir. Es fühlt sich an, als würde man auf dem Schulhof stehen und ausgelacht werden.

Es sagt: "Dein Traum ist lächerlich." Es sagt: "Dass du glaubst, du wärst ein Autor, ist ein Witz."

Mir ist es genau so ergangen. Dieses kleine Icon kann einem die Seele aus dem Leib reißen. Es invalidiert deine Arbeit mit einem einzigen Klick. Es ist zynisch. Und für einen Moment glaubst du diesem Emoji mehr als all den positiven Stimmen.

Der Realitäts-Check: Wer lacht da eigentlich?

Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, habe ich etwas getan, was ich jedem von euch rate: Ich habe mir die Profile der "Lacher" angesehen. Ich wollte wissen, wer diese Kritiker sind, die mein Werk so amüsant finden.

Und wisst ihr, was ich gefunden habe?

Nichts.

Oder besser gesagt: Nichts, was mit Büchern zu tun hat. Wenn man sich diese Profile ansieht oder die Personen vielleicht sogar aus dem erweiterten Bekanntenkreis kennt, fällt es einem wie Schuppen von den Augen:

Diese Menschen lesen nicht. Sie haben wahrscheinlich seit der Schulzeit kein Buch mehr freiwillig in die Hand genommen. Sie kennen den Markt nicht, sie kennen die Kunst nicht, und sie werden niemals deine Zielgruppe sein.

Sie scrollen durch ihren Feed, sehen jemanden, der etwas wagt, der aus der Reihe tanzt – und ihre einzige Reaktion darauf ist Spott. Nicht, weil dein Buch schlecht ist. Sondern weil sie mit Ambition nichts anfangen können.

Emojis sind kein Barometer für Qualität

Das war mein großer "Aha"-Moment. Ein "Haha" auf Facebook (oder Instagram/TikTok) ist kein Qualitätsurteil über dein Schreiben. Es ist ein Qualitätsurteil über den Charakter der Person, die klickt.

Gerade auf Plattformen wie Facebook sind Reaktionen oft impulsiv und missgünstig. Wenn du deine Qualität als Autor daran misst, wie viele Leute NICHT lachen, wirst du wahnsinnig.

Mein Rat an dich: Lass sie lachen. Das Emoji sagt nichts über deinen Plot, deine Charaktere oder deinen Stil aus. Es ist nur ein Pixelhaufen.

Schau dir an, wer lacht, zucke mit den Schultern und realisiere: Das sind nicht meine Leser. Und dann mach weiter. Schreib das nächste Kapitel. Gib das nächste Interview (diesmal mit festerer Stimme).

Denn am Ende hast du ein Buch geschrieben. Und der "Haha"-Reagierer hat nur auf einen Knopf gedrückt.

Wer hat hier also wirklich gewonnen?

Herzlichst, Swen und Jasmin


S. und J. Kalini