Die seelenlose Pest im eBook-Markt: Warum ich keine Angst vor KI-Autoren habe
15. Januar 2026

Es ist das Thema der Stunde, und man kommt kaum daran vorbei: Schreiben mit Künstlicher Intelligenz.
Wenn man sich aktuell im eBook-Markt umsieht, könnte man fast von einer Pest sprechen, die sich durch die Neuerscheinungen frisst. Der Markt wird geflutet. Doch wenn man genauer hinsieht, stellt man sich die Frage: Lohnt sich das überhaupt?
Die kurze Antwort: Irgendwie nicht.
150 Seiten Nichts
Bücher, die rein von einer KI geschrieben wurden, wirken auf mich meist vollkommen seelenlos. Es sind oft dünne Bändchen, gerade mal 150 bis 170 Seiten stark. Die Geschichten? Simpel. Die Struktur? Formelhaft. Was fehlt, ist der echte Twist. Das Unvorhersehbare. Die Ecken und Kanten, die eine Figur erst menschlich machen.
Ich bin ein Verfechter des manuellen Schreibens. Nicht (nur) aus Romantik, sondern aus Qualität. Nur wenn ich selbst schreibe, kann sich die Story wirklich entfalten. Figuren entwickeln oft ein Eigenleben, Pläne ändern sich während des Schreibens – eine KI plant stur durch. Das Ergebnis ist "Text", aber keine "Kunst".
"Okay, hier ist die überarbeitete Fassung..."
Natürlich kann KI mittlerweile beeindruckend gut formulieren. Aber sie hat ihre Grenzen, und die Faulheit mancher "Goldgräber" macht diese Grenzen sichtbar. Es ist fast schon Comedy-Gold, wenn man in veröffentlichten Büchern Sätze findet wie: "Okay, hier ist die überarbeitete Fassung..." oder "Soll ich dir hierzu noch einen Absatz einfügen, der das Thema besser durchleuchtet?"
Da hat jemand den Output von ChatGPT ungesehen per Copy & Paste in das Manuskript geklatscht. Mal abgesehen davon, dass das unfassbar peinlich ist, zeigt es: Hier geht es nur um Schall und Rauch. Schnelles Geld mit null Herzblut.
Das natürliche Aussieben
Sehe ich darin eine Gefahr für uns "echte" Autoren? Nein. Meiner Erfahrung nach sortieren sich solche Autoren relativ schnell selbst aus.
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Kein Verlag wird so etwas anfassen.
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Leser sind nicht dumm. Ein geübter Leser entlarvt den KI-Stil sofort und sortiert das Buch (und den Autor) weg.
Diese Werke landen im digitalen Nirvana oder bestenfalls auf dem "Pile of Shame" – jenem Stapel an eBooks, die man im Impuls (weil billig) gekauft hat, aber niemals lesen wird, weil man schon auf Seite 3 merkt, dass die Substanz fehlt.
Die wahre Gefahr
Kurz und knapp: Ich sehe (noch) keine Gefahr für phantasievolle Autoren, die mit ihren Geschichten Menschen berühren wollen. Emotionen kann man nicht berechnen.
Die einzige echte Gefahr, die ich für unsere Branche sehe, liegt woanders: Unsere Zielgruppe wird kleiner. Das Problem ist nicht, wer die Bücher schreibt, sondern ob es noch jemanden gibt, der sie lesen kann. Wir müssen wieder dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche zu kompetenten Lesern werden. Dass sie die Geduld und die Fantasie entwickeln, in eine Geschichte einzutauchen.
Wenn wir das verlieren, hilft uns auch die beste menschliche Geschichte nicht mehr. Aber solange noch gelesen wird, wird auch das Menschliche im Buch gewinnen.
(Ja, dieses Teaserbild habe ich KI gemacht.)
S. Kalini