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Insel-Alltag in Malta

12. Januar 2026

Insel-Alltag in Malta

Heute machen wir mal eine Pause vom Thema Schreiben und tauchen ein in das echte Leben hier auf Malta (bzw. Gozo). Viele von euch denken sicher: "Die Jasmin und der Swen, die leben im Paradies. Sonne, Meer, alles easy."

Ja, bis gestern war hier "Land unter". Sturm. Und wenn auf einer Insel Sturm ist, dann stehen die Räder still – oder besser gesagt, die Schiffsschrauben. Die Fähren fahren nicht nach Plan, was sofort eine Kettenreaktion auslöst. Der Nachschub stockt. Besonders hier auf der kleinen Schwesterinsel Gozo merken wir das sofort. Supermarktketten wie LIDL oder GREENS neigen ohnehin dazu, ihre Filialen auf Gozo etwas stiefmütterlich zu behandeln, aber bei Sturm? Da steht man dann vor leeren Regalen. Alles ganz normaler Wahnsinn hier.

Der Endgegner: Online-Shopping

Aber vergesst das Essen. Hungern müssen wir nicht. Was einem hier wirklich graue Haare wachsen lässt, ist Amazon.

Wenn man etwas bestellt, ist es ein Glücksspiel:

  • Szenario A (Der Traum): Es kommt mit DHL und Malta Post. Dauer: ca. eine Woche. Okay, damit kann man leben.

  • Szenario B (Der Albtraum): Du hast "Glück" und der Auftrag geht an die Hrvatska pošta (Kroatische Post).

Wenn du diesen Namen im Tracking siehst, weißt du: Du bist verloren. Eine Bestellung ist dann gut und gerne drei Wochen unterwegs. Der Lieferfortschritt? Nicht dokumentiert. Das Paket verschwindet einfach in einem schwarzen Loch, irgendwo zwischen Kroatien und dem Mittelmeer.

Ich habe das mal durchgerechnet: Wir leben im 21. Jahrhundert. Wenn ich das Ding dringend brauche, wäre ich schneller, wenn ich mich selbst bewege. Ich könnte in den Flieger nach Köln/Bonn steigen, mit dem Zug nach Düsseldorf fahren, einkaufen gehen und am Abend wieder zurückfliegen. Gesamtdauer: ca. 24 Stunden. Hrvatska pošta braucht dafür 21 Tage. Da fragt man sich schon, was die Damen und Herren dort hauptberuflich machen. Pakete ausliefern kann es eigentlich nicht sein.

Warum wir trotzdem hierbleiben und es lieben

Ich schreibe das, um mal mit dem Mythos aufzuräumen, dass hier alles perfekt ist. Aber bevor ihr Mitleid bekommt: Es gibt Gründe, warum wir das in Kauf nehmen.

  • Internet: Wir haben 100 Mbit Glasfaser in JEDEM Haus. Standard. Davon träumt man in Deutschland oft noch.

  • Soziale Sicherheit: Inkassounternehmen, die junge Menschen wegen einer vergessenen Handyrechnung ins Unglueck stürzen? Gibt es hier nicht. Hier gibt es nur ein lizensiertes Unternehmen das mit "Buy now, Pay later" arbeitet. Und das muss es auf eigene Gefahr tun. Die Gefahr sich zu verschulden ist hier nahe Null. Der Kapitalismus in Endzustand ist etwas, was diese Insel nicht erreicht. Und es ist nicht so, dass es nicht schon Firmen hier versucht haben. Aber unser Rechtssystem gibt solchen Firmen keinen fruchtbaren Boden. Hier schwört man noch auf hauseigne Korruption. Und wir lieben es!

  • Die Grusel-Wörter: GEZ. AFD. Deutsche Bahn. Das ist meine Lieblings-Anekdote zum Gruseln wenn wir anderen Menschen von Deutschland erzählen.

Also lehnen wir uns entspannt zurück (mit schnellem Internet) und üben uns in Geduld. Wir warten nämlich auf das Paket mit den Autorenexemplaren, die wir für euch signieren sollen.

Wenn ihr also ein signiertes Buch bestellt habt, oder wir euch eines versprochen haben: Habt Nachsicht. Erst braucht das Paket 3 Wochen zu mir, und dann nochmal 3 Wochen zu euch. Aber hey, Vorfreude ist doch die schönste Freude, oder?


S. und J. Kalini