Apollo 13, die Concorde und der gestohlene Traum: Warum wir wieder nach den Sternen greifen müssen
17. Februar 2026

Gestern Abend lief bei uns zu Hause mal wieder „Apollo 13“. Es ist einer dieser Filme, die ich immer wieder sehen kann, aber dieses Mal war etwas anders. Ich saß da mit meinen Kindern. Ich beobachtete nicht nur Tom Hanks und Kevin Bacon, wie sie in ihrer frierenden Kapsel um ihr Leben kämpften, sondern ich beobachtete die Gesichter meiner Kinder.
Sie starrten ungläubig auf den Bildschirm. Sie konnten kaum fassen, was Menschen im Jahr 1970 – in einer Zeit, die für sie so weit weg ist wie das Mittelalter – fertiggebracht haben.
Natürlich kam sofort der „Nerd“ in mir durch. Als Kenner der Materie konnte ich es mir nicht verkneifen, ihnen zu erklären, wie diese primitive Technik funktionierte. Ich erzählte ihnen begeistert, dass wir kaum zehn Jahre später, als ich meinen ersten Sinclair ZX80 bekam, bereits Computer im Kinderzimmer stehen hatten, die klein waren, aber mehr Rechenpower besaßen als die gesamte NASA-Missionszentrale, die dort gerade versuchte, drei Männer vom Mond zurückzuholen.
Aber während ich redete, wurde mir klar: Das ist überhaupt nicht der Punkt.
Es geht nicht um Taktfrequenzen. Es geht nicht um Speicherplatz. Es geht um etwas, das wir irgendwo zwischen dem Ende der 80er Jahre und heute verloren haben.
Wir haben verlernt zu träumen
Als ich in den 80ern aufwuchs, war die Welt voller Versprechen. Wir hatten die Concorde, ein wunderschönes weißes Flugzeug, das schneller war als der Schall. Wir hatten das Space Shuttle, das wie ein LKW ins All und zurückflog. Wir waren gedanklich die Generation, die ganz selbstverständlich die Koffer packen würde, um auf dem verdammten Mond zu arbeiten.
Alles lief nach dem Motto: Koste es, was es wolle!
Wir waren Träumer. Wir waren auf dem Weg zum Mars. Wir waren auf dem Weg zu den Sternen. Grenzen waren dazu da, gesprengt zu werden, nicht um budgetiert zu werden. Wenn man als Kind eine Concorde am Himmel sah (oder zumindest im Fernsehen), dann konnte man sagen: „Wenn ich groß bin, fliege ich die. Oder ich baue eine, die noch schneller ist.“
Das war der Treibstoff unserer Jugend.
Und dann kamen die Erbsenzähler
Doch irgendwann kippte die Stimmung. Die Visionäre wurden leiser, und eine neue Kaste übernahm das Ruder: die BWLer, die Finanzhaie, die Controller.
Plötzlich ging es nicht mehr um das Mögliche, sondern nur noch um das Rentable.
- Die Concorde? Zu teuer im Unterhalt. Eingestellt.
- Das Shuttle? Zu ineffizient. Eingemottet.
- Der Mars? Kein Return on Investment. Gestrichen.
Dieses Denken, dieser Fokus auf kurzfristige Gewinne und Quartalszahlen, hat uns die Träume gestohlen. Sie haben uns die Zukunft klein gerechnet. Wir haben aufgehört, nach den Sternen zu greifen, weil kein Business-Case dahinterstand. Wir haben unseren Kindern die Concorde weggenommen und ihnen stattdessen effiziente, aber langweilige Busse mit Flügeln gegeben, in denen man so eng sitzt, dass man kaum atmen kann – weil das die Marge erhöht.
Welchen Traum geben wir heute weiter? „Wenn du groß bist, kannst du in einem Großraumbüro sitzen und Kosten optimieren“?
Ein Pitch-Deck hat noch niemanden zum Mond gebracht
Wir müssen aufhören, alles durch die Brille der Buchhaltung zu sehen. Geld und Ressourcen sollten Nebensache sein, wenn es darum geht, die Grenzen der Menschheit zu verschieben.
Denn schauen wir doch mal zurück: Ein perfekt ausgearbeiteter Pitch eines BWLers, der Risikoanalysen und Gewinnmargen beinhaltet, hat uns in der Geschichte der Menschheit noch nirgendwohin gebracht. Wirkliche Innovation entsteht nicht in Excel-Tabellen.
Der Grundstein für die gesamte moderne Luft- und Raumfahrt wurde nicht von einem Konzernvorstand gelegt. Er wurde von zwei ungelernten Brüdern gelegt, die eine Fahrradmanufaktur betrieben. Die Wright Brothers hatten keinen Businessplan für den transatlantischen Flugverkehr. Sie hatten einen Traum. Sie wollten fliegen. Und sie haben es einfach getan, allen Widerständen zum Trotz.
Lasst uns wieder unvernünftig sein
Wir haben unsere Träume zerstört oder zumindest in kleine, handliche, finanzierbare Häppchen zerteilt. Das muss aufhören.
Wenn ich mir etwas für uns – und vor allem für die Generation meiner Kinder – wünsche, dann das: Lasst uns wieder träumen.
Hört auf zu rechnen. Setzt euch hin. Schreibt Geschichten, die unmöglich erscheinen. Baut Raketen im Hinterhof. Entwerft Maschinen, die keinen Sinn ergeben, außer dass sie großartig sind.
Wir müssen wieder anfangen, Träumer zu sein. Denn nur wer träumt, baut die nächste Concorde. Nur wer träumt, wird der erste Mensch sein, der seinen Fuß auf den Mars setzt und von dort aus in die Unendlichkeit blickt.
Lasst uns die Controller reden lassen – und lasst uns währenddessen die Zukunft bauen.
Swen Kalini